Ratingen, 14.1.2010
Wertschätzung für die Leistung unserer Soldat/-innen und ihrer Angehörigen
Mit einer Veranstaltung über die Auswirkung von Auslandseinsätzen auf Soldat/-innen und deren Angehörigen folgte die FU Ratingen der Aufforderung unseres Ministerpräsidenten. Jürgen Rüttgers vor heimgekehrten Soldat/-innen :“Die Belastungen und Gefahren, denen unsere Soldatinnen und Soldaten im Auslandseinsatz ausgesetzt sind, werden hier in der Heimat viel zu wenig wahrgenommen. Es kann nicht sein, dass die Öffentlichkeit nur davon Notiz nimmt, wenn der Einsatz durch tragische Unfälle oder Anschläge überschattet wird.“ In dem Zusammenhang forderte der Ministerpräsident eine breitere öffentliche Debatte über die traumatisierenden Folgen von Auslandeinsätzen.
Unabhängig von der parteipolitischen Landschaft und unabhängig von der geographischen Nähe zu Bundeswehrstandorten mit oder ohne Einsatztruppe geht uns dieses Familienthema alle an! Soldaten und Soldatinnen haben Partner, Kinder, Eltern, Freunde. Diese können sehr wohl in unserer unmittelbaren Nachbarschaft leben. Diese Menschen sind mittelbar von Auslandseinsätzen betroffen.
Frau Heike Block vom Forum für Soldatenfamilien und Referentin des Abends schilderte eindrucksvoll, welchen Belastungen Soldat/-innen und deren Familien nicht nur während Auslandseinsätzen ausgesetzt sind.
„Zu Hause fällt es zunehmend schwerer Dienst und Familie unter einen Hut zu bringen“, weiß Heike Block aus ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit und ungezählten Gesprächen mit Betroffenen. Kinder können nicht problemlos von einem Bundesland ins nächste "verpflanzt" werden Mit jeder Versetzung bricht die gesicherte Kinderbetreuung auch außerhalb öffentlicher Einrichtungen ab und muss neu aufgebaut werden. Kindertagesstätten/-gartenplätze fehlen fast regelmäßig. Schulformen und Unterrichtsmaterialien weichen stark von Einader ab. Häufig ist es schwierig überhaupt eine passende und bezahlbare Wohnung am neuen Standort zu finden. Auch Marschbefehle werden meistens sehr kurzfristig erteilt und halten sich nicht an vorab vereinbarte Termine. Wichtige Familienfeiern werden und können nicht berücksichtigt werden. Die Transformation der Bundeswehr verändert personelle Planungen in den Standorten, die mit kurzfristigen Versetzungen einhergehen.
Heike Block: „Alles in allem fehlt den Familien ein Minimum an Planbarkeit. Wenn der Vater am 22. Dezember den Befehl bekommt am 23.Dezember einzurücken, dann rückt er ein. Ganz gleich was vorher vereinbart wurde. Für die zurückbleibende Familie ist das schwer zu verkraften. Gerade in den Weihnachtstagen stehen bei uns die Telefone nicht still“, so Frau Block weiter.
Obendrein haben die Bundeswehreinsätze im Ausland eine neue Qualität an Risiko und Kampfhandlungen erreicht. Welcher Gefährdung sie tatsächlich ausgesetzt sind, erfuhr das Publikum aus Soldatenbriefen, die Frau Block mitgebracht hatte. Fazit eines Zuhörers: „Die befinden sich ja im Krieg“. Zudem werden die Soldat/-innen immer häufiger und länger ins Ausland geschickt. Frau Block: „D.h. Regenerationsphasen und Familienzeiten reichen immer öfter nicht mehr aus, um ein gewohntes, stabiles Familienleben aufrecht zu erhalten. Die Anzahl der Dritt- und Viertscheidungen ist drastisch angestiegen.“
Besonders belastend, so Heike Block vom Forum für Soldaten Familien, ist die einseitige und prompte Berichterstattung in den Medien.
Unsachliche Diskussionen und Debatten in der Öffentlichkeit nehmen oft erschreckende und für die Soldaten/-innen diskreditierende Formen an. Während in der Vergangenheit zunächst die Angehörigen über eine Verwundung oder den Tod eines Soldaten unterrichtet wurden, erfahren diese heute oftmals vorab die Vorkommnisse in den Einsatzgebieten unmittelbar und ungeschützt aus den Nachrichten.
In ihrem Schlusswort resümiert Erika Zender, Vors. FU: „Bedauerlicherweise vergegenwärtigt sich die Bevölkerung zu selten, dass die deutschen Soldat/-innen nach Bundestagsbeschluss mit dem jeweiligen Mandat in die Auslandseinsätze BEFOHLEN werden. Sie vertreten deutsche Interessen. Sie verteidigen unsere Sicherheit und Freiheit.“
Im Namen der Betroffenen wünschte sich Heike Block: „Den Soldat/-innen und ihren Familien wäre es eine große Hilfe, wenn ihre Leistung mehr Wertschätzung, Anerkennung und Respekt in Deutschland erfahren würde. Gerade die Parlamentarier sollten hier mit gutem Beispiel vorangehen“. Erika Zender legte nach: “Auch politisch Aktive aller Ebenen sollten sich entsprechend verantwortungsbewusst einbringen! Hier ist jeder Einzelne gefragt.“
Ein weiterer Vortrag zu diesem Themenbereich ist für den Herbst geplant.
